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unser Kater Seppi

Geboren wurde er am 3. August in der Röhn auf einem Bauernhof, danach kam er zu mir nach Frankfurt in den Riederwald. Er war in der Zeit in Frankfurt kein Freigänger, sondern ein "Dachgänger" ungefähr 150m Dach am Stück durfte er sein Eigen nennen, oft hatte ich bei seinen waghalsigen Unternehmungen das Totenhemd an, denn immerhin hatten die Wohnhäuser satte 5 Etagen.

Seppi war ein sehr genügsamer Kater, ich war sehr viel außer Haus aufgrund meiner damaligen Palliativpflege oft auch nachts. Gut, ab und zu habe ich Amanda dann bei ihm gelassen. Sehr oft hatte ich ein schlechtes Gewissen und nutzte jede freie Zeit nach Haus eine kurze Schmuserunde mit ihm zu machen.

Warum dann ein Kater fragen Sie sich nun sicherlich...eigentlich wegen meiner Hündin Amanda entschied ich mich nochmals einen Kater zu nehmen. Amanda vermisste so sehr ihren Kater aus dem Bahnhofsviertel, dass sie jeder Katze nachlief und gottserbärmlich schrie, so dass es mir bald das Herz zeriss.



Amanda hat Seppi sofort als ihr Kind angesehen und begann ihn zu erziehen, er sah als Mutter die Amanda an und lies die komplette Erziehung zu. Das bedeutete, dass Seppi gleich zweisprachig aufwuch, er lernte neben der angeborenen Katzensprache auch die Hundesprache und das wirkte sich bei ihm sehr positiv aus.

Seppi ist ein sehr familienbezogener Kater, der auf sein Herrchen und Frauchen fixiert ist - egal wohin der Umzug geht, Seppi geht sofort raus und kommt immer wieder zurück



Man bedenke was er an Umzügen hinter sich hat : mit 8 Wochen von der Röhn nach Frankfurt, mit etwas über einem Jahr von Frankfurt in den Schwarzwald, mit 5 Jahren vom Schwarzwald in die Pfalz nach Sankt Julian und mit knapp 6 Jahren von Sankt Julian nach Pirmasens. Er hat all dies mit Bravour gemeistert.

Am 8. Juni 2016 hat er uns in den Morgenstunden einen großen Schrecken eingejagt, er wurde in Efringen-Kirchen von einem Auto angefahren und sehr schwer verletzt: Wir brachten ihn in die Klinik, wo er 10 Tage bleiben musste. Die ersten Tage war es sehr ungewiss ob er es übersteht weil er zu schwach war für die notwendige Operation. Neben unzähligen Risswunden und einer großen Platzwunde am Kopf hatte er einen mehrfachen Kieferbruch und auf einem Auge ist er nun blind. Glücklicherweise konnte der Kieferbruch nach ein paar Tagen operiert werden und die genähten Wunden heilten auch langsam, problematisch war die große Kopfwunde, es fehlte Material zum abdecken so dass alles langsam zuheilen musste. Aber nun nach etwas über einem Jahr merkt man diesem kleinen Strolch nicht mehr viel an von diesem Unfall - selbst mit nur einem Auge meistert er das Leben in allen Lagen. Wir sind sehr glücklich mit ihm und freuen uns immer wieder jeden Tag aufs neue.

Was sein Fressen betrifft, eigentlich unproblematisch - ist nicht groß wählerisch im Nassfutter und frisst auch ab und zu etwas Trockenfutter, was wir aber auch nur zulassen solange er so gut trinkt.

Trotzdem hat er einen großen Fressmacken für den ich aber verantwortlich bin. Morgens um 6 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr finden Sie diesen kleinen Striezi schreiend vor dem Kühlschrank wenn wir nicht rechtzeitig reagieren. Er fordert dann seine sogenannten Belohnungen diese sind : entweder ein roher Hähnchenmagen, ein rohes Hähnchenherz, ein rohes Stück Rinderherz - so wie es gerade kommt. Ich besorge immer diese drei Fleischsorten für den ganzen Monat und packe jeweils drei Stück wie sie gerade kommen in ein Tütchen was dann in der Gefriertruhe verschwindet. Jeden Abend wird eine Tüte für den kommenden Tag entnommen. Im Kühlschrank sieht das dann so aus in einer eigensdafürgekauften Box.

 08.06.2016 :

Seppi hatte einen schweren Autounfall ( ist ins Auto gelaufen ) , folgende Zeilen habe ich aus Verzweiflung in der Unfallnacht an ihn geschrieben :

nun schlägt Dein Herzchen schon seit dem 03. August 2011,

unermüdlich und ununterbrochen,

eine kleine wilde Wanz warst Du,

als ich Dich bekam - Du hast mir gezeigt wo es lang geht,

Du hast mir gezeigt wer der Herr im Hause ist.

Anstand und Erziehung die hast Du genossen wie in einer Eliteschule

von meiner Hündin Amanda, die eigentlich der Hauptanstoss war Dich zu nehmen.

Was haben wir nicht alles für Spaß und Blödsinn mit Dir erlebt ?

Weißt Du noch mein kleiner Stinker, als Du Frust in Frankfurt hattest ?

Einfach Frust und der musste verarbeitet werden, wie ?

Du hast die Methode gewählt ich habe sie hingenommen - zwei große Orchideen im Keramiktopf ,

die zierten nachts meinen Schädel mit einer saftigen Beule.

Neben dem Regal schlief ich , zu nah für Deine Begriffe und Du,

du wolltest nur Abhilfe schaffen, es ziert sich nicht, so ein blödes Ikea Regal neben dem Bett.

Mit dem Essen warst Du in Frankfurt nicht verwöhnt - ich bekam Dich als kleiner Tischmülleimer (liebevoll gemeint)

Du kanntest kein Katzenfutter, Dein Geschmack war desftige Hausmannskost. ( eben vom Bauernhof )

Erziehung: Amanda hat Dir alles beigebracht - Du hattest Manieren und Macken wie ein Hund.

Egal, Du warst der Seppi ( anfangs Schlappeseppel - was aber irgendwann zu einem Seppi wurde)

Ach so, warum kamst Du eigentlich zu mir ? Amanda hatte ihren Kater aus dem Bahnhofsviertel vermisst,

schrie nach jedem Kater und wollte mit jeder Katze und Kater draußen schmusen.

Autsch - das hat oft weh getan, diese vermeintlich Liebe wurde mit Krallen gewürdigt.

Damals, ich stand noch voll im Arbeitsstress überwiegend in der Palliativpflege - bedeutete -.....

wenig Zeit für Dich mein kleiner Knoddel, sehr viel warst Du alleine doch Du hast es mit Haltung ertragen -

Ausgang hattest Du wann Du wolltest - aber leider nicht wohin Du wolltest, Dein Revier in Frankfurt das waren Dächer,

die Dächer in der Rümelinstrasse bis zum Engelsplatz im Riederwald. Dein Revier, da konntest Du alles beobachten -

wie ein kleiner Spanner.

Immer zwischendurch ging ich kurz nach Hause, kaum den Schlüssel in der Haustüre da ging drinnen das Geschreie los,

freudestrahlend wurde ich jedesmal von Dir empfangen und liebkost - ohne Vorwurf, ohne Krallen ( die ich übrigens von Dir noch kein einzigesmal gespürt habe und gezeigt bekommen habe)

Hut ab - für diese gefestigte Stärke von Dir.

Oft hatte ich ein schlechtes Gewissen weil Du zu oft alleine sein musstest, revanchieren wollte ich mich,

bedanken oder was auch immer -

ja, da habe ich mir dann selber die Arschkarte gezeigt und wie ??

Frisches Fleisch hatte ich Dir gekauft im Toom Markt im Hessencenter, es waren Leckerbissen von

Hähnchen, Pute, über Herz und Mägen bishin zur Leber.

Du hast Dich gefreut, Du hast geschmatzt , es hat geschmeckt und ich fühlte mich wohl -

hatte ich es doch geschafft Dich zu belohnen für Deine viele Geduld.

Nicht lange hat es gedauert und ich hatte aus Dir ein kleines Leckermäulchen gemacht, ein Feinschmecker der

ganz besonderen Art, ein kleiner Tisch und Tafelking habe ich aus Dir gemacht.

Scheissegal, Du hattest es verdient.

Der Tag kam, ich lernte Monika kennen, sie besuchte uns -

Amanda hat Dich beschützt vor der ungestümen Luzy, die keine bösen Absichten hatte.

Aber Amanda war übervorsichtig, denn schliesslich bist Du ja für Amanda wie ein leibliches Kind.

Ach noch was, einmal war ich wirklich sauer auf Dich!!!

Im Riederwald in der Küche - weißt Du noch Du kleiner Stinker ? Irgendwie warst Du gefrustet und.....

da kam das Regal in der Küche wie gerufen... es musst abgeräumt und aufgeräumt werden.

Über der Waschmaschine - ich Trottel hatte den Deckel des Topladers offen,

darin verschwanden die ganzen Zierereien des Regals mitsamt den steinernen Töpfchen.

Blind war ich - nicht geschaut, wie immer im Stress.

Bettwäsche in die Maschine und gewaschen - die Geräusche machten mir Angst - Maschine kaputt???

Nein, die Beschehrung : zertrümmerter Zierrat und Blumenerde hatten sich mit der Bettwäsche vermischt.

Scheissegal es war mein kleiner geliebter Stinker.

Jeden Morgen kamen an das Küchenfenster zwei Eichhörnchen, sie holten ihre bereitgelegten Nüsse ab-

ein Schauspiel auf das ich mich immer freute wenn ich zu Hause war, meistens war es gegen 7.00 Uhr morgens.

Ohje - einmal vergessen die Küchentüre zuzumachen und Du ??? Du kleines Monster ein Satz auf das Küchenfenster

Eichhörnchen kamen nie wieder.

Scheissegal Du bist mein kleiner Stinker.

Umzug in den Schwarzwald, ein richtiges Paradies für Dich mein Knoddelchen, kastriert warst Du ja schon , also falls Du

nach draußen gehst kannst Du nicht unkontrolliert für Nachwuchs sorgen.

Geplant waren mindestens 3 Wochen hier "Wohnungsarrest" damit Du weißt wenn Du streunen gehst -

wo Du hingehörst mein kleiner Stinker.

3 Wochen - was habe ich mir dabei gedacht ohne Dich zu fragen ? Peinlich und Dumm wie naiv ich doch war.

Du hast uns ganz schnell gezeigt wie lange für Dich 3 Wochen sind und was Du davon hälst.

Aus den 3 Wochen machtest Du 3 Tage, aber alles war gut... Du bist clever gewesen und kamst immer treu und brav heim.

2015 Ostern da haben wir gezittert und wie!! 4 Tage warst Du spurlos verschwunden, wir haben gehofft und gebangt.

Irgendwie scheinst Du eingeschlossen gewesen zu sein. ! ... Dienstags nach Ostern, morgens oder Vormittags,

ein ganz bekanntes Geschrei vor dem Schlafzimmer... Seppi war da, schnell habe ich Moni im Büro angerufen.

Es war ein Geschenk für uns, wir hatten Dich wieder in unserer Mitte.

Einmal kamst Du nach Hause, den ganzen Mund hattest Du aufgerissen bis zur Nase - was war passiert ?

Wir wissen es bis heute nicht.

Behandelt haben wir selber - die alte Art der Wundbehandlung :

Wasserstoff zum spülen, Leukasekegel für in die Wunde, im Wechsel Betaisodona und Leukase Salbe und siehe da....

langsam hat es geheilt, die Schnautze war etwas schief, aber...scheissegal wir lieben Dich doch...

Die letzten Monate - da hast Du uns das Leben manchmal schwergemacht, immer und immer wieder kamst Du nach Hause,

im Gepäckt Mäuse und Vögel, teilweise lebendig, teilweise schon gekillt, oft haben wir geschimpft, vergebens...

Extra ein Halsband mit Glöckchen gekauft - ausgelacht hast Du uns damit, draußen vor dem Schlafzimmer,

da hast Du es Dir selbst wieder ausgezogen, ist ja auch saublöd von mir gewesen, das störte Dich doch

in Deinen Aktivitäten.

 

Und nun:

 

meine innigste Bitte an Dich Seppi, bitte, bitte überlasse mir oder uns nicht die Entscheidung. Ich beuge mich Deines Verlangens und Deines Befindens, es ist Dein Leben wir dulden alles, außer unnötigen Qual und Schmerz.

 

Seppi, viele jahre habe ich Palliativpflege gemacht und hatte Respekt vor den Sterbenden,

ich habe nie eine Entscheidung gefällt zum Nachteil des Patienten,

ich habe nie nachgeholfen sondern die Natur entscheiden lassen, jedoch habe ich dafür gesorgt

dass alles ohne Schmerz und ohne psychische Folter abläuft,

 

bittelasse den Fall nicht eintreten dass wir entscheiden müssen,

Seppi da verlangst Du zuviel von Monika und mir,

glaube es mir, es ist keine Faulheit oder Flucht vor Verantwortung,

es ist Liebe, Liebe die im Moment so weh tut weil wir alle machtlos sind.

Seppi, wenn Du Dir sicher bist, dass Du die Operation überstehst

dann kämpfe!

Seppi, wenn Du Dir sicher bist dass Du nach der Operation nicht auf "Pflege" angewiesen bist,

dann kämpfe mein Stinker, kämpfe mit unserer Unterstützung!

Seppi, wenn Du annähernd ein lebenswertes Leben nach der OP geniesen kannst,

dann kämpfe mein Kämpferherz!

Seppi, wenn Du merkst Du schaffst das nicht, dann lasse los! Wir würdigen Deine Entscheidung ohne Vorwurf.

Seppi, wenn Du merkst, Du bist nach der OP nicht mehr selbstständig, dann lasse los, wir ziehen unseren Hut vor Dir.

Seppi wenn Du merkst Du bist zu schwach und hast keine Kraft mehr,dann lasse los. Das ist Stärke.

 

Mein lieber Seppi, wie Du auch entscheidest, bitte bitte mache es uns auch nicht so schwer, lasse und nicht Herrscher über Dein Leben sein, lasse und nicht bestimmen, bisher hatten wir geimeinsam immer viel Spaß, dann lasse uns auch gemeinsam das Leid meistern, Du bist nicht allein.

Vielleicht erreichen Dich gefühlsmäßig diese Zeilen,

vielleicht bringen ein paar Täubchen Dir diese Botschaft in die Klinik

Seppi wir beten für Dich und kämpfen.

Wir lieben Dich doch unser kleiner Stinker, unser Bobbelchen, unser Herr und Gebieter, wir sind gerne Deine Untertanen auch wenn es um diese ekelhafte ernste Entscheidung geht.

 

Gute Nacht mein Seppi, schlafe gut und denke über mein Angebot nach, wir schlafen auch drüber aber stehen nach wie vor zu unserem Wort.

Wir wollen Dich nicht verlieren und wenn doch dann in Würde!!!

Deine Familie Monika, Amanda, Luzy und Daniel

 

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